Nicht alles rosig? Wie Freelancer Schattenseiten überwinden können

Nicht alles rosig? Wie Freelancer Schattenseiten überwinden können
Nicht alles rosig? Wie Freelancer Schattenseiten überwinden können

Gastbeitrag von SCRIBERS[HUB]-Autorin Sandra Klammer

 

Wer eine Leidenschaft hat, der sollte dieser nachgehen. Was gibt es Schöneres und Erfüllenderes, als das Hobby zum Beruf zu machen?
Wenn Arbeit kein Zwang ist, um finanziell über die Runden zu kommen, sondern etwas, das man liebt!

In meinem Fall ist es das Schreiben, für das ich brenne. Ich recherchiere gerne, tippe fleißig und überlege mir, wie sich das, was ich ausdrücken möchte, am besten und verständlichsten in Worte packen lässt: egal, ob Kindergeschichte, Liebesroman (unter dem Pseudonym Hanna E. Lore), Blogbeitrag, Artikel fürs P.M. History (ich bin Historikerin), Kindersachbuch oder Webseitentexte für diverse Auftraggeber quer durch die Bank. Ich verdiene mein Geld als Freelancerin, bin ein Ein-Personen-Unternehmen, quasi eine One-Woman-Show. Mein Firmensitz ist mein rosarot gestrichenes Arbeitszimmer innerhalb meiner eigenen vier Wände. Sich einen solchen Platz zu schaffen, hat Bedeutung, denn der Küchentisch ist auf Dauer nicht der passende Ort für professionelles, kreatives Schaffen. Für alle, denen das zu einsam ist, existiert eine Alternative: Coworking.

Am Boden bleiben, aber trotzdem nach den Sternen greifen

Vom Texten allein zu leben, ist schwierig. Deshalb kann ein zweites Standband nicht schaden. Eines, das selbstverständlich auch Spaß macht! Ich bin angestellte Archivarin, was mir ein nötiges Maß an Sicherheit in Form eines regelmäßigen Einkommens gewährt. Es ist eine Teilzeitstelle. Zwei Tage pro Woche archiviere ich, an drei Tagen schreibe ich. Ein Vorteil von Freelancern ist, dass wir unsere Zeit selbst einteilen. Wann diese drei Tage sind, entscheide ich. Kümmere ich mich um die Weihnachtseinkäufe mittwochs, weil die Läden wochentags weniger überlaufen sind als an den Adventsamstagen, arbeite ich eben sonntags. Oder gönne ich mir im Sommer bei Prachtwetter am Dienstag einen erfrischenden, erholsamen Tag im Schwimmbad, haue ich eben samstags in die Tasten, dann, wenn alle anderen das Freibad stürmen. Bei Auftragsflaute (ja, solche Phasen gibt es) als auch bei Stress, weil dann plötzlich und wie aus dem Nichts auf die Ruhe der Sturm folgt, ist es wichtig, diese Fünftagewoche einzuhalten, sonst brennt man aus. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf freie Tage, Freelancer ebenso. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, wenn einen das schlechte Gewissen packt, weil man manche Aufträge erst in der neuen Arbeitswoche angeht.

Ein guter Plan ist das halbe Business

Freelancer dürfen Urlaub machen, auch wenn einem bewusst sein muss, dass man in dieser Zeit kein Geld verdient. Hier füllt das Gehalt die Lücke der fehlenden Honorare. Als Angestellter kann man sich krank melden, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist. Auf selbstständiger Basis geht das nicht. Man sitzt also trotz Beschwerden vor dem Computer. Allerdings verlängern wir das Leiden nur, wenn wir unserem Körper keine angemessene Zeit zur Genesung gönnen. Und länger auszufallen, wäre das Worst-Case-Szenario, weil die One-Woman-Show dann ins Stocken gerät. Plan A klappt nicht, weil einem das eigene Immunsystem einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Plan B muss her. Ein guter Plan beinhaltet immer auch einige Prozent Spontanität und Anpassungsfähigkeit. Entweder nur vormittags arbeiten und sich den restlichen Tag lang eine Pause gönnen oder wirklich zwei, drei Tage lang gar nichts tun. G a r nichts. Was liegen bleibt, wird nachgeholt, wenn man wieder fit ist. Dann heißt’s zwar in den sauren Apfel beißen, aber dann hat man die Krankheit zumindest überwunden und kann aus vollen Kräften schöpfen.

Harte Schale, verlässlicher Kern

Wer von zu Hause aus arbeitet, anstatt frühmorgens die Wohnung zu verlassen und erst abends zurückzukehren, ist manchen Menschen grundsätzlich suspekt, besonders am Land. Und ich wohne am Land. Was ich mir schon alles anhören musste (hinter vorgehaltener Hand): „Die arbeitet nur Teilzeit?! Faules Stück, hat ja nicht einmal Kinder, also keinerlei Betreuungspflichten!“ Solche Aussagen müssen an einem abperlen. Kritik ist nützlich, wenn sie gerechtfertigt ist. Derartige Vorwürfe haben jedoch keine Daseinsberechtigung und können getrost sowie erhaben lächelnd überhört werden. Denn bekanntlich sind die, die am lautesten über andere herziehen, immer diejenigen, die dringend vor der eigenen Tür kehren sollten.

Was fremde Leute von uns halten, ist von Belang, wenn es Kunden sind. Hier ist Verlässlichkeit das A und O. Sie schafft Vertrauen und sie bindet. Wird ein Auftrag angenommen, wird er erledigt – richtig, nicht halbherzig. Und pünktlich, denn Deadlines sind unbedingt einzuhalten. Im Urlaub informiert eine Abwesenheitsnotiz, dass derzeit keine Aufträge übernommen werden. Stammkunden erhalten einige Zeit vorab bereits die Mitteilung der Urlaubswochen, sodass sie für sich selbst planen können und dann nicht überrascht werden, weil die Person, auf die sie sich üblicherweise verlassen können, nicht erreichbar ist. Verlässlichkeit trennt die Spreu vom Weizen, stärkt die Verhandlungsposition, wenn das Honorar erhöht werden soll, bringt Mundpropaganda und die ist Gold wert! Eine persönliche Empfehlung wiegt mehr als jedes Bewerbungsschreiben auf diesem Planeten.

Augen und Ohren offen halten

Die Stammkunden bilden ein Sicherheitsnetz, weil man regelmäßig für sie tätig werden kann. Trotzdem gleicht dieses Netz keiner Hängematte, in der man sich ausruhen darf. Es schadet nie, die Fühler weiterhin auszustrecken. Nebenbei kann man auf Inserate schielen. Auch wenn die Stelle, die dort ausgeschrieben ist, nicht vollends passt, kann man auf sich als Freelancer aufmerksam machen und einfach mal anfragen. Einige sind durchaus offen, ihre ursprünglichen Vorstellungen anzupassen, wenn sich auf dem üblichen Weg kein adäquater Bewerber findet. Oder man landet vorerst in Evidenz und einige Monate später meldet sich tatsächlich jemand! Möchte man an Magazinen oder in bestimmten Unternehmen mitwirken – einfach anschreiben. Wenn wir etwas beherrschen, dann ja wohl das, oder? Zweifel? Nein, Zweifel bringen uns nicht weiter. Was soll denn im schlimmsten Fall passieren? Keine Antwort oder eine Absage. Dann kann man es in ein paar Jahren, wenn das eigene Portfolio umfassender ist, erneut probieren. Im besten Fall hat man sogar einen neuen Kunden an Land gezogen.

… aber nicht immer und nicht um jeden Preis

Augen und Ohren zu verschließen, kann manchmal aber auch der richtige Weg sein. Den Mut zu haben, etwas abzulehnen, kostet anfangs Überwindung, beschert uns jedoch Seelenfrieden. Meine Liebesromane sind teils erotisch angehaucht, dennoch war und bin ich nicht bereit, lasziv-erregende Texte für eine Begleitagentur zu schreiben. Damit würde ich mich nicht wohlfühlen und das würde sich wiederum im Ergebnis niederschlagen. Also: nein. Es hat durchaus Vorteile, die eigene Chefin zu sein, denn Auftraggeber, die lediglich einen Cent pro Wort bezahlen, werden von mir ebenfalls abgelehnt. Mit der Zeit weiß man, was man wert ist, das Vertrauen in sich, das Talent und die eigenen Fähigkeiten wächst. Spätestens dann ist es mit der Ausbeutung vorbei. Es gibt draußen am Markt genügend Kunden, die bereit sind, angemessene Leistung entsprechend zu vergüten. Und auf die konzentriert man sich. Deshalb sollten wir Schreiberlinge uns auch nicht vor der KI fürchten, denn KI kann nicht alles. In Texten darf es gern menscheln, wenn es gewollt ist, und das – die Gefühlsebene – ist unsere große Stärke. KI kann Wut, Zuneigung oder Euphorie zwar erklären, hat all das aber noch nie gespürt.

Fotocredit: rawpixel (Pixabay)

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