Andrea Huss: „Eine ungelenke Sprache kann ich viel eher verzeihen als abgegriffene Phrasen“

Andreas Huss im SCRIBERSHUB Content Buzzer
Andrea Huss im neuen Content Buzzer

Guter Content ist wichtiger denn je! Deshalb vermittelt SCRIBERS[HUB] auch erstklassige TexterInnen, AutorInnen und JournalistInnen für Qualitätsinhalte. In der Interview-Reihe „Content-Buzzer“ stellt Sabine Fäth, Gründerin von SCRIBERS[HUB], Kommunikationsprofis alle 14 Tage diese Fragen:

Andrea Huss, Journalistin & Business-Coachin

Was bedeutet Content für Dich?

Ich habe mich mit dem Buzzword bis heute nicht anfreunden können, weil es im „klassischen“ Journalismus, aus dem ich komme, viele schöne, sehr viel konkretere Worte wie etwa Essay, Report, Glosse, Bewegtbild verdrängt hat. Als in meiner redaktionellen Arbeit erstmals die Rede davon war, „Content Snacks zu generieren“, weckte das bei mir ungute Assoziationen an kalorienreduzierte Pralinen, die in Fließbandarbeit hergestellt werden. Ich würde deshalb das, was ich schreibe und konsumiere, nicht als Content bezeichnen. Für mich ist das Wort einfach eng verbunden mit (Online-)Marketing, Influencern, Messbarkeit etc.

Was war der schlechteste Content, dem Du begegnet bist?

Schlecht ist Content immer dann, wenn er lediglich Trends bedient, um oben in der Aufmerksamkeitsspirale mitzurotieren. Wenn er Keywords per Geschwafel aneinanderreiht, um im Netz gut auffindbar zu sein. Und wenn er viel Wind macht mit Vorankündigungen wie „7 Tipps, die Ihr Leben verändern werden“ und am Ende herauskommt, dass man sein Frühstücksei weniger salzen und am besten einmal am Tag an die frische Luft gehen soll. Googeln Sie zum Beispiel mal nach Schlaftipps. Da werden seit 20 Jahren die gleichen Binsen stumpf wiederholt, nach dem Motto: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“. Trotzdem nimmt jeder Artikel, jeder Blogpost für sich in Anspruch, etwas fabelhaft Neues zu vermitteln.

Wie gelingt guter Content?

Das ist eine so große Frage, dass ich sie gern verkleinern würde auf die Frage: Wie gelingt mir guter Content? Als Business-Coach ist Sichtbarkeit sehr wichtig für mich, deshalb poste ich Beiträge bei LinkedIn und bei Instagram und habe einen Blog auf meiner Website. Und so gehe ich vor, damit das aus meiner Sicht gut wird:

Nah dran sein: Ich schreibe zu 90 Prozent über Themen, die mir in meiner Coaching-Praxis, im redaktionellen Zusammenhang oder in Gesprächen mit Bekannten begegnen.

Neu Gelerntes teilen: Zu 10 Prozent verlinke ich aber auch Content, der mich inspiriert hat und kommentiere ihn mit meinen persönlichen Learnings.

Von mir sprechen: Ob ich ein hilfreiches Coaching-Tool vorstelle oder über eine Entwicklung in der Arbeitswelt schreibe: Ich suche nach ganz konkreten Beispielen aus meiner Erfahrungswelt.

Eigene Sprache: So wie ich spreche, schreibe ich auch: direkt, unkompliziert, bilderreich. Denn mit jedem Beitrag will ich möglichst authentisch meine Werte und meine Haltung als Coach rüberbringen. Dies ist vielleicht der größte Unterschied zum journalistischen Schreiben, bei dem ich als Person ja meist zurücktrete.

Eigene Optik: Personal Branding heißt bei Coaches und Beraterinnen auch: Welche Schrift, Farbwelt, Fotografie passen zu mir, drücken meine Persönlichkeit aus? Darüber machen sich viele Kolleg*innen zu wenig Gedanken und nutzen die immer gleichen Stockfotos, die schon so oft gesehen sind, dass sie niemanden mehr berühren. Ich habe einen Farbcode und zwei Schriften, die ich durchgängig für meinen Content nutze, baue auch meist mein Logo mit ein.

Wenn ich eine sehr persönliche Aussage mache, dann nutze ich auch mal ein Porträtfoto von mir, aber sparsam – auch, weil mir diese direkte Form der Selbst-Promotion immer noch etwas unangenehm ist. Aber sichtbar werden als Coachin heißt eben auch: Gesicht zeigen.

Vervollständige den Satz: Content ist immer…

…dann überzeugend, wenn nicht nur fleißig Redaktionspläne abgearbeitet werden, sondern Leidenschaft und eigene Entdecker*innenfreude zu spüren sind. Eine etwas ungelenke Sprache kann ich viel eher verzeihen als abgegriffene Phrasen.

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