Sandra Klammer: Raus aus dem Glas oder Wie sich ein Goldfisch Kunden angelt

Wie sich ein Goldfisch Kunden angelt

Gastbeitrag von SCRIBERS[HUB]-Autorin Sandra Klammer

 

Die Arbeitswelt ist ein Ozean, in dem sich verschiedene Meeresbewohner tummeln. Wir Autoren*innen, besonders die zurückhaltenden unter uns, sind die unscheinbaren Goldfische, die abseits davon in einem kleinen Glas stumm und unbemerkt vor sich hin tippen. Oft erhalten die großen Fische die besten Aufträge, weil sie im richtigen Moment auf sich aufmerksam machen, ja, sich regelrecht aufdrängen. Wollen wir warten, bis die gefräßige Katze mit dem sperrigen Namen „Lebenshaltungskosten“ auftaucht und unseren Traum, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, zunichtemacht? Oder wagen wir schon früher mutig den Sprung in unbekannte Fluten?
Ich habe mich im Sommer 2018 für Letzteres entschieden. Damals erschien mein erstes Kinderbuch im Selbstverlag. Außerdem schreibe ich historische Fachtexte und unter Pseudonym romantische Geschichten. Wirklich aktiv, was den Sprung aus dem Glas betrifft, bin ich erst vor etwa eineinhalb Jahren geworden. Warum? Weil ich nicht länger darauf warten wollte, irgendwann gefunden zu werden. Wie soll mich denn jemand finden, wenn kaum jemand weiß, dass ich existiere und was ich mache?! Eben! Also, hops, und los geht’s!

In vertrauten Gewässern schwimmen

Ich bin eine schüchterne Frau. Jemandem meine Visitenkarte in die Hand zu drücken, ist für mich alles andere als eine natürliche Geste. Das kostete mich Überwindung. Ich empfand es als peinlich und aufdringlich. Das muss auf mein Gegenüber doch verzweifelt wirken, oder?!
Ehrenamtlich arbeite ich im Museum Tauernbahn mit. Dort habe ich begonnen, bis heute ist es eine wichtige Stütze für meine Arbeit geblieben. In Pandemie-freien-Zeiten finden dort zahlreiche Veranstaltungen statt. Gruppen stehen beisammen, man gesellt sich dazu, lässt die Leute reden und mischt sich irgendwann ein. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, wann der richtige Moment gekommen ist, um das Kärtchen mit den eigenen Kontaktdaten zu zücken. Anfangs habe ich aus Schüchternheit solche Gelegenheiten verstreichen lassen. Außer Ärger über mich selbst hat mir das nichts gebracht. Bis heute muss ich mich überwinden, weil es nicht meinem Naturell entspricht, mich „aufzudrängen“, aber inzwischen habe ich gelernt, dass genau das dazugehört. Um für jemanden schreiben zu dürfen – und genau das will ich ja! – muss ich ihm oder ihr zunächst einmal mein Kärtchen in die Hand drücken. Also, Augen zu und durch! Je öfter man das macht, umso leichter fällt es einem. Schüchternheit oder falsches Schamgefühl dürfen uns nicht am Sprung über den Glasrand hinaus hindern.

Mit der goldenen Flosse winken

Die persönlichen Kontakte stoßen irgendwann an ihre Grenzen. Woher soll zB der Zoo in Linz wissen, dass sich kilometerweit entfernt eine Autorin von Kindergeschichten über einen Auftrag freuen würde? Ich habe das gemacht, was ich am besten kann: Schreiben. Versucht, neue Kunden mit getippten Worten von mir und meinen Fähigkeiten zu überzeugen. E-Mails zu formulieren und zu verschicken, in denen man sich selbst anpreist, sind ein aufwändiges Unterfangen. Auf zehn Mails erhält man vielleicht vier Antworten, drei davon sind freundlich formulierte Absagen. Wenn man Glück hat, resultiert daraus ein Auftrag – ein zufriedener Kunde, der später wieder auf einen zurückgreift. Allerdings dränge ich die Leute nicht. Weder bombardiere ich sie mit einer Flut an E-Mails noch rufe ich an, um nachzuhaken. Wer Interesse hat, wird sich melden.
Das ist ideal in Corona-Zeiten und speziell für schüchterne Goldfische geeignet. Ein geschickt formulierter Text kann überzeugen. Ich berichte, was ich mache, füge Textkostproben hinzu, verweise auf meine Internetauftritte. Wichtig ist, dass man sich dabei selbst treu bleibt. Meine Anschreiben spiegeln mich wider, müssen aber gleichzeitig zur Einrichtung passen, die ich kontaktiere. Lustig gern, aber nicht zwanghaft. Ausgefallen, wieso nicht? Wenn es zu einem passt. Im Grunde ist das nichts anderes als ein kreatives Bewerbungsschreiben ohne die allseits bekannten, langweiligen Standardsätze.

Nur ein paar Klicks von den Weltmeeren entfernt

Um auf eine Homepage und eine Social Media-Seite hinzuweisen, brauche ich zunächst einmal so etwas und muss das auch betreuen. Wir Schreiberlinge schaffen das selbst. Immerhin wollen wir doch davon leben, mit Worten zu spielen, zu verzaubern, in andere Welten zu entführen oder Fakten klar darzulegen. Meine Homepage ist mein Infoblock. Meine Facebookseite „Hanna E. Lore“ genauso, aber hier kommt die persönliche Komponente hinzu. Schreibupdates, Ankündigungen, Alltägliches und Schräges reihen sich aneinander. Schräges? Ja. Mein Sinn für Humor ist mitunter seltsam … und genau das kommt gut an. Also, warum sollte ich dieses Wissen nicht nutzen? Ich habe Spaß daran und die Leute offenbar auch. Ausprobieren und Erfahrungen sammeln! Jede*r muss die passende Mischung für sich selbst finden, ein Standard-Rezept gibt es nicht.
Ich bin zwar weit davon entfernt, mich Influencerin nennen zu können, freue mich aber über jedes weitere „Gefällt mir“. Denn auch mit kleinen Schritten gelangt man ans Ziel. Ich like und kommentiere. So zieht man Blicke auf sich und der ein oder andere bleibt hängen. Außerdem betreue ich den Facebookauftritt des Museums. Wenn es passt, baue ich dort einen Hinweis auf mich ein. Der Ozean ist nur ein paar Mausklicks weit entfernt.
Dann gibt es noch Plattformen wie SCRIBERS[HUB] – eine unaufdringliche Möglichkeit, Aufmerksamkeit auf sich und die eigenen Leistungen zu lenken. Hier schwimmt man im Schwarm gemeinsam durch die Weiten des Meeres.
All das kostet nichts (abgesehen von der Erstellung professioneller Visitenkarten), außer Zeit. Trotzdem rückt man an potentielle Auftraggeber*innen heran. Genau genommen kann man sogar diesen Beitrag als Maßnahme zur Kundenakquise betrachten. Womöglich landet ja so manche*r Leser*in auf einer meiner Seiten und kontaktiert mich. Dann hat sich der Sprung aus dem Glas doch gelohnt, oder?
An alle Goldfische da draußen: hops und los! Was soll uns denn passieren? Wir können nur gewinnen, wir können schwim… schreiben.

Fotocredit: Alexas_Fotos (Pixabay)

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