„Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“

Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen
Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen

Qualitäts-Content ist wichtiger denn je. Deshalb vermittelt SCRIBERS[HUB] erstklassige TexterInnen, AutorInnen und JournalistInnen für jede Branche, jedes Thema, jeden Kanal. In der Interview-Reihe „Content-Buzzer“ stellt Sabine Fäth – Gründerin von SCRIBERS[HUB] – Kommunikationsprofis alle 14 Tage diese Fragen…

Judy Born, Autorin & Journalistin bei bueroborn.de

Was bedeutet Content für Dich?

Da ich sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch schreibe, verstehe ich „Content“ zunächst mal im wörtlichen Sinne: als Inhalt, der, wenn er gehaltvoll ist, mich nicht nur zufriedenstellt, sondern bei dem mir bestenfalls das Herz aufgeht. Denn dann tritt er ein, der sog. „state of happiness“ – ein Glücksgefühl, das sich aus ganz unterschiedlichen Gründen einstellt:

  • weil mich dieser Content unterhält und mir auf angenehme Weise die Zeit vertreibt
  • weil er mich informiert und mir durch ihn Zusammenhänge klar werden
  • weil er mich schlauer macht und ich einen Zugang zu etwas bekomme, das mir zuvor unbekannt, fremd oder sonst etwas war
  • weil er mir bestenfalls etwas beibringt und mich befähigt, Dinge zu tun, die ich vorher nicht konnte

Das kann die Ken-Burns-Doku über Country Music, der Monocle-Podcast zur Milan Design Week oder ein „How to fix my drain pipe“-Tutorial auf Youtube ebenso sein wie das „Drei Arten, deinen Schal zu tragen“-Reel auf Instagram oder der Long-Read im Guardian über einen Geheimagenten des KGB, der seinen eigenen Sohn rekrutierte.
Trotz dieser Beispiele ist der Begriff „Content“ für mich ein Kind der PR-, Marketing- und Communications-Bubble. Für mein Verständnis findet Content in erster Linie digital statt, und ja, auch wenn ich meine Serien und Filme fast ausschließlich streame – ich würde „The Last of Us“, „Adolesence“ oder „Konklave“ nicht automatisch mit Content assoziieren. Ebenso wenig wie einen Roman von Zadie Smith, ein Sachbuch von Roberto Saviano, eine Tages- oder Wochenzeitung, ein Nachrichten- oder Lifestyle-Magazin.
Das mag daran liegen, dass Content für sich allein gestanden so ziemlich alles sein kann.
Steckt hinter dem Content jedoch eine Business-Strategie, wird in Verbindung mit einem Produkt, einer Marke, einem Unternehmen daraus Content-Marketing und kann gezielt auf eine Sache, eine Person oder eine Organisation einzahlen. 

Was war der schlechteste Content, dem Du begegnet bist?

Den schlechtesten Content per se zu benennen, fällt mir schwer. Für mich sind das meist Inhalte, die sich anbiedern und/oder, die zu viel wollen. Wo der Absender nicht weiß, wofür er steht und auch nicht, wie seine Zielgruppe tickt.
Schlechtem Content fehlt häufig das richtige Maß an Begeisterung und Leidenschaft für etwas, und er macht sich zu oft gemein mit dem, was gerade angesagt ist – zumal sogenannte Trends schneller wieder vorbei sind, als man „heißer Scheiß“ buchstabieren kann.
Und Inhalte, die das mit der Authentizität nicht verstanden haben, gehören dazu: Was macht die Rolle/der Job desjenigen, der spricht mit der Art, wie er spricht, oder was er erzählt? Welchen Einfluss hat die Rolle/die Position auf das, was gesagt wird? Spricht man beispielsweise anders, wenn man Uniform trägt? Macht das Gesagte einen Unterschied, ob der oder diejenige eine Buchpreisträgerin oder ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes ist?
Auch schwierig: Content, der „lustig“ oder „witzig“ ist bzw. es sein soll. Humor gelingt nur selten und Ironie geht fast immer nach hinten los. Die Spanne von „Kreisch“ zu „Cringe“ ist meist kurz.

Wie gelingt guter Content in Zeiten von ChatGPT und Co.?

Genauso wie er vor dem Einbruch der KI funktioniert hat:

  • mit einer Idee, was man und wie man es erzählen möchte
  • mit Gespür für den richtigen Ton, abhängig vom Kunden, der Zielgruppe etc.
  • mit Recherche zum Thema und der Aufgabenstellung
  • mit Fleiß und Sorgfalt, um KI-Informationen aus vielen (!) verschiedenen Quellen zusammenzutragen und gegenzuchecken. (Schon lange vor der KI galt das Mantra: „Wikipedia ist keine glaubwürdige Quelle.“)
  • mit eigener Expertise, damit man in der Lage ist, das KI-Wissen zu überprüfen. Denn KI macht Fehler oder ist nicht präzise genug. Sie weiß nicht alles, auch wenn sie es gerne behauptet.
  • und schließlich mit „sapere aude“, dem Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Vervollständige den Satz: Content ist immer…

Ich würde sagen: GOOD content is … the art of making information count with inspiring ideas, apt analysis, a fresh narrative and the right perspective.

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