„Lieber SLOW JOURNALISM als FAST SCROLLING“

Lieber slow journalism als fast scrolling
Lieber slow journalism als fast scrolling

Qualitäts-Content – authentisch, nahbar, glaubwürdig – ist mit und durch KI wichtiger denn je. Deshalb kuratiert SCRIBERS[HUB] erstklassige TexterInnen, AutorInnen und JournalistInnen für jede Nische und jeden Medienkanal.
In der Interview-Reihe „Content-Buzzer“ stellt Sabine Fäth – Gründerin von SCRIBERS[HUB] – Kommunikationsprofis alle 14 Tage diese Fragen …

Prof. Christopher Buschow, Leitung Digitaler Journalismus an der Hamburg Media School

Was bedeutet Content für Dich?

Als Journalismus‑ und Medienforscher verstehe ich „Content“ als lebendigen Bestandteil eines öffentlichen Kommunikationsprozesses. In diesem Prozess sind journalistische Inhalte weiterhin bedeutsam, damit sich Menschen verlässlich informieren, wissensbasierte Meinungen bilden und so grundlegende demokratische Teilhabe verwirklichen können. Im Zuge der Digitalisierung ist es gleichwohl zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen, wie Journalismus heute produziert, zirkuliert, rezipiert und genutzt wird. Deshalb trägt meine Dissertation aus dem Jahr 2018 den plakativen Titel „Die Neuordnung des Journalismus“. Die Transformation von Medien und öffentlicher Kommunikation bildet nach wie vor eine wichtige Hintergrundfolie meiner Arbeit als Professor an der Hamburg Media School und der Technischen Universität Hamburg.

Was war der schlechteste Content, dem Du begegnet bist?

Ein einzelnes schlechtestes Erlebnis kann ich nicht erinnern. Aber ich finde problematisch, wie viele Inhalte heute nur auf maximale Aufmerksamkeit abzielen, ohne echten Informationswert. „AI-Slop“ hat die Lage noch verschärft. Diese Inhalte erzeugen einen schnellen ‚Dopamin-Schock‘, folgen nur Sensations- oder Negativitätslogik und entmutigen die Menschen eher, als dass sie ihnen wirklich weiterhelfen. Gerade in einer Welt der endlosen Timelines und hochgradig personalisierten ‚For You‘-Seiten fragt man sich: Was zählt eigentlich? Für mich persönlich ist die Antwort: lieber slow journalism als fast scrolling. Auch deshalb haben Anke Gehrmann und ich vergangenes Jahr die News-Life-Balance gestartet, ein digitales Lernangebot im Rahmen der Hamburg Open Online University, das Menschen hilft, reflektiert mit Medien umzugehen und eine gute Balance zwischen Nachrichten und Alltag zu entwickeln.

Wie gelingt guter Content von Mensch zu Mensch mit KI?

Das ist eine Frage, die wir gerade auch in unserem berufsbegleitenden Masterstudiengang Digitaler Journalismus sehr intensiv diskutieren. KI-Anwendungen verändern Strukturen, Rollen, Prozesse und Entscheidungswege im Journalismus. Führungskräfte müssen Redaktionen so organisieren, dass Qualität und normative Standards gesichert bleiben, wenn menschliche und künstliche Intelligenz absehbar noch stärker kollaborieren. In unserem Studiengang behandeln wir das insbesondere in der Vertiefung Redaktionelles Management: Hier arbeiten wir mit unseren Studierenden an konkreten Lösungen, wie man Automatisierung sinnvoll in Arbeitsprozesse integriert, Rollen neu definiert und Redaktionen so aufstellt, dass Mensch und KI bestmöglich zusammenwirken können.

Welche Mischung an Talenten und Fähigkeiten sollte ein Content‑Team heute haben?

Zukunftsfähige Redaktionen benötigen unterschiedliche Rollenprofile und multidisziplinäre Teams. Darauf achten wir auch in unserem Studiengang. Klassische journalistische Expertise bleibt zentral: Recherche, selbstproduziertes Material, Qualitätssicherung sind vor allem in Zeiten von KI unersetzlich. Wichtig ist, dass alle Redaktionsmitglieder konsequent von den Nutzenden lernen wollen: ihre Nutzung verstehen, Interaktion einplanen, Formate iterativ verbessern. Dazu kommen technologische Kompetenz, etwa in Automatisierung, Vibe Coding und KI-basierter Produktentwicklung. Und nicht zuletzt: Teams brauchen Innovationsfreude und Experimentierfähigkeit, um mit der raschen Veränderungsgeschwindigkeit mitzuhalten.

Vervollständige den Satz: „Content ist immer…“

…auch ein Stück weit ein Beitrag zum öffentlichen Kommunikationsprozess, bei dem wir – ob als Medienschaffende oder Nutzende – Verantwortung dafür tragen, ob das, was wir produzieren, konsumieren, weiterleiten, (hoffentlich!) zu Verständigung, Orientierung und einem gelingenden demokratischen Diskurs beiträgt.

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