Qualitäts-Content – authentisch, nahbar, glaubwürdig – ist mit und durch KI wichtiger denn je. Deshalb kuratiert SCRIBERS[HUB] erstklassige TexterInnen, AutorInnen und JournalistInnen für jede Nische und jeden Medienkanal. In der Interview-Reihe „Content-Buzzer“ stellt Sabine Fäth – Gründerin von SCRIBERS[HUB] – Kommunikationsprofis alle 14 Tage diese Fragen …
Stefanie Waldeck, PR & Communications Advisor und Kommunikationsmanager bei ROBUS CAPITAL
Was bedeutet Content für Dich?
Content ist für mich die Chance, einem Thema Relevanz zu geben – so, dass Menschen verstehen, warum es sie betrifft. Gerade in der Finanzbranche treibt mich das besonders an, denn über Geld spricht man bei uns bekanntlich nicht so gern. Und Wirtschaftsthemen erscheinen vielen immer noch abstrakt, komplex oder weit weg vom eigenen Alltag.
Auch ich hatte das Vorurteil, Finanz- und Wirtschaftsthemen seien trocken, schwer verständlich oder „nicht für mich“ – bis mich mein Weg Mitte der 90er-Jahre eher zufällig in die Asset-Management-Branche führte. Mit den ersten Schritten in ein finanziell unabhängiges Leben habe ich schnell verstanden: Geld ist kein „Randthema“, das nur Experten betrifft.
Es ist die Grundlage dafür, wie wir unser Leben mit unterschiedlichsten Zielen und Plänen gestalten können. Wirtschaftsnachrichten sind keine bloßen Schlagzeilen, sondern beeinflussen, wie sicher Arbeitsplätze sind, wie teuer Wohnen wird, welche Vorsorge sich lohnt oder welche Chancen sich eröffnen.
Genau hier setzt guter Content an: Er ordnet ein. Er macht Zusammenhänge sichtbar. Er schafft eine Verbindung zwischen scheinbar abstrakten Finanz- und Wirtschaftsthemen und dem realen Leben.
Was war der schlechteste Content, dem Du begegnet bist?
„Mit diesem Investment sind zweistellige Renditen garantiert.“ Solche Aussagen begegnen einem trotz aller schmerzhaften Erfahrungen an den Finanzmärkten der vergangenen Jahrzehnte leider bis heute. Gerade auf digitalen Kanälen erleben sie bei einem jüngeren Publikum ein erstaunliches Revival.
Die einfache Wahrheit lautet: Renditechancen und Risiken sind untrennbar miteinander verbunden. Wer höhere Erträge anstrebt, muss auch bereit sein, größere Schwankungen auszuhalten. Garantien gibt es auch, aber sie haben ihren Preis und gehen in der Regel zulasten der Rendite. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie viel Risiko kann, will und darf ich tragen?
Schlechter Content beginnt dort, wo Komplexität durch unrealistische Versprechen ersetzt wird. Guter Content beginnt dort, wo Transparenz Vertrauen schafft und eine realistische Einschätzung ermöglicht.
Wie gelingt guter Content von Mensch zu Mensch mit KI?
KI verarbeitet, womit sie „gefüttert“ wurde. Sie kann Inhalte in Sekundenschnelle effizient und skalierbar in unterschiedliche Sprachen, Tonalitäten und Formate übersetzen. Aber sie entwickelt keine weiterführenden Gedanken, die über den Status quo hinausgehen.
Weiterentwicklung braucht Thought Leadership. Sie entsteht aus Erfahrung, Urteilskraft und dem Mut, neue Perspektiven zu formulieren. Das sind menschliche Stärken.
Im besten Fall entsteht ein produktives Tandem: Der Mensch sitzt am Lenker und bestimmt die Richtung. Die KI tritt in die Pedale und sorgt für Tempo, Struktur und Skalierung. Die Verantwortung für Inhalt, Haltung und Wirkung bleibt jedoch immer beim Menschen.
Welche Mischung an Talenten und Fähigkeiten sollte ein Content-Team heute haben?
In einer Welt, die von immer neuen Wellen mehr oder weniger relevanter Informationen überflutet wird, halte ich Zuhören für eine der zentralen Fähigkeiten. Wer die Bedürfnisse seines Publikums nicht versteht, wird im „Noise“ nicht gehört und geht unter.
Ebenso entscheidend ist strategisches Denken. Gute Inhalte entstehen nicht zufällig. Sie beantworten grundlegende Fragen: Wen möchte ich erreichen? Mit welchem Ziel? Über welchen Kanal? Und in welcher Sprache – verbal wie visuell? Harold Lasswell hat das bereits 1948 in eine bis heute gültige Formel gefasst: „Who says what in which channel to whom with what effect.“
Auch in der Finanzkommunikation entscheidet diese Klarheit darüber, ob Inhalte Orientierung geben oder nur weiteres Rauschen erzeugen. Ein starkes Content-Team vereint deshalb Empathie, strategische Klarheit, Fachkompetenz, gestalterische Fähigkeiten und technologisches Verständnis.
Vervollständige den Satz: Content ist immer…
…eine Einladung zum Gespräch. Ob sie angenommen wird, entscheidet Vertrauen – die wichtigste Währung, nicht nur in der Finanzbranche. Gerade hier zählt nicht die Lautstärke, sondern Substanz. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Aufmerksamkeit, sondern durch Verantwortung.


